Brunch auf Bayerisch

Montag, 15.06.2009  –  Kategorie: Allgemein, Feldstudie, cp08
Autor: Prüfstellenleitung

Noch die lange Nacht in den Knochen schlurfe ich zur Tür - dreimal - und verfluche mich auf die Reparatur der Klingel bestanden zu haben.

Zwei Mädels, eine blass in schwarzem Samt, die andere im wallenden Leinenponcho wollen mit mir die Bibel lesen. Danke, ein andermal.

Ein hungriger Freund aus der Nachbarschaft.

Dann spricht jemand in einer seltsamen Sprache über Essen und zeigt auf eine Tüte voller Weißwürste und Bier. Was solls, meines Mitbewohners Freunde sind auch meine und ein Missionar, der Essen mitbringt, wird bei uns ohnehin nicht abgewiesen. Dass der Kulturexport so ernst genommen wird, dass auch gleich drei Alben von Gerhard Polt in den Wechsler geschoben werden, konnte ja keiner ahnen.

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Die Zeit drängt, denn die Brühwurscht darf das Zwölfuhrläuten nicht erleben. Warum weiß eigentlich keiner so genau, aber was um zwölf noch im Zuber schwimmt, hat Pech gehabt - und Verschwendung mögen wir ebensowenig wie der kulturflüchtige missionierende bayerische Schwabe, der uns das Frühstück beschert hat.

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Da liegt sie nun, die Weißwurscht. Dem Namen nach sollte sie wunderbar mit dem gleißend weißen cp08-Teller harmonieren - passt so halbwegs, aber is auch wurscht und zum Essen da. Tarnung hilft hier nicht.  Zuzeln ist eine Möglichkeit - wenn man als Feldarbeiter hungrig in den Zuber langt und dann Dünnbier trinkend an der Sense lehnt und seinen Schafsdarm Schweinsdarm leerzuzelt. Wir bekommen die Wirtshausvariante beigebracht. Halbieren in der Mitte, dann quer einschneiden und Stückweise abziehen. Auf dem Weg zum Mund dann nochmal durch Luise Händlmaier`s ziehen und Brezen und Bier hinterher.

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Vor lauter interessanten Einblicken in den Mikrokosmos bayerischer Lokalidentitäten und Geschichten über das Gallensteinzimmer, Schpeidermän und den Ausnahmefranken Erwin Pelzig, vergessen wir ganz unser eigentliches Prüfvorhaben. Aber eigentlich hat die Prüfstelle ja auch Ruhetag. In jedem Fall vielen Dank für das Frühstück, Jürgen. Hoffe ich hab den Namen richtig verstanden?!

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4 Vermerke zu “Brunch auf Bayerisch”

  1. nicht Jürgen vermerkt:

    Nur um’s richtig zu stellen: Die Münchner kommt in den Schweinedarm.

  2. Prüfstellenleitung vermerkt:

    Oh, stimmt. Zur Entstehungsgeschichte der Zufallserfindung Brühwurscht wurden wir offenbar nicht umfassend genug geschult. Dann war Jürgen ja gleich doppelt Draufgänger - ein Bayer in Berlin isst Schwein in Neukölln…

  3. Prüfstelle Nützlichkeit » Blog Archive » Damit kann man rechnen… [Bewegtbild] [Gewinnspiel] vermerkt:

    [...] letzten Post zur cp08-Feldstudie war ich kein verantwortungsbewusster Prüfer. Einfach so drauf losgezuzelt und die Musterteller [...]

  4. Peter vermerkt:

    zur Frage, warum die Wurst vor 12:00 Uhr gegessen werden muß gibt es die Theorie, dass die früher in den Morgenstunden produziert wurde und, mangels Frischhaltemöglichkeiten, eben nicht wirklich lange haltbar war. Und um sich nicht der Gefahr einer verdorbenen Wurst auszusetzen, war es eine Faustregel, sie noch vormittags zu essen. :-)

    Ach, und ich kenne noch einen “Ausnahmefranken” ;o))

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