Integration in der Mensa

Freitag, 19.06.2009  –  Kategorie: Schnelltest
Autor: PRiMUSs

Genau genommen ernähren wir uns optimal mit 5 Mahlzeiten, davon 3 Haupt- und 2 Zwischenmahlzeiten. Aus diesem Grund und weil mich der Hunger treibt bewege ich mich gegen 12.00 gen Mensa. Nicht nur, dass ich damit dem Klischee des Musterdeutschen Spießbürgers gerecht werde, der sich täglich pünktlich zu eigentlich noch fast morgendlicher Stunde an den gedeckten Tisch setzt.

Nein, heute zwingt mich mein mäßiges Budget von 1,40 auch noch dazu das Sprintmenü zu nehmen. Sprintmenü bedeutet hierbei nicht sportlich gesund, eine meiner ersten Assoziationen. Sprintmenü ist vielmehr die Bezeichnung für das Angebot des Tages. Keine Meisterleistung sondern eine schnelle und billige Variante zum auch sonst schnellen und fraglich delikaten Essen einer ostdeutschen Mensa.

Wer nun glaubt ein Mensagang sei einfach und diene nur der Befriedigung eines Urinstinktes, der irrt.  Im folgenden demonstriere ich, wie ein Essen es schaffen könnte  zum weltpolitischen Thema zu werden. Vielleicht fragt sich auch Frau Merkel bald, warum es im Bundestag eigentlich nie die delikate rosa Wurst ihrer Jugend gibt und ob die Kandidaten der CSU mit ein paar Brezeln und Weißwurst vielleicht einen Hauch ihrer steifen, selbstgerechten Art ablegen könnten. Essen verbindet und essen lockert das Gemüt!

Also nicht nur, dass ich mich schon wieder um 12:00 in der stickigen, gefüllten Mensa zur längsten Schlange vor den Essensschaltern quäle. Ich lese auch noch entsetzt auf der anmutenden elektronischen Tafel schräg über mir, was mir gleich meinen hungrigen Magen füllen soll.

WURSTSPIRELLI!

Adrenalin pocht in den Adern, meine Muskeln spannen sich und fast sprinte ich panisch Richtung Ausgang. Geistesgegenwärtig besinne ich mich noch einmal, als mein Magen seinen grollenden Beitrag zu den Vorgängen in meinem Körper abgibt. Gott sei Dank, denn fast hätte ich in meinem Übermut den guten Platz in der Schlange an 5 gierig guckenden Sportstudenten abtreten müssen.

Zerknirscht finde ich mich mit dem Gedanken ab gleich kleine, gedrehte und rötlich tingierte Nudeln mit Stückchen erwärmter Wurst zwischen meinen Zähnen hindurchschieben zu müssen.

Komischerweise lese ich in den Gesichtern um mich herum die pure Entzückung. Ich schnappe sogar den Begeisterungsschrei einer zierlichen Person mit blondem Pferdeschwanz und ausgeblichener Lederumhängetasche auf.

Ich bin offensichtlich anders.

Gerade in letzter Zeit konnte ich mich mit dem immer wiederkehrenden Speiseangebot unserer Mensalandschaft intensiv auseinandersetzen. Dass sich Gerichte wiederholen ahnte ich schon vor meiner Zeit als Massenkonsument. Aber dass man zwei Zutaten so gekonnt kombinieren und dann auch noch eine bunte Palette von Gerichten zaubern kann, war selbst mir als Zutatenminimalist nicht klar.

Wurstspirelli, Wurstschnitzel auf Spirelli, Spirelliwurst, Wurst mit Spirelli, Spirelli mit Tomatensoße (die Wurst muss püriert sein)….

Das erstaunlichste daran ist aber, dass mir ein Wurstgericht die Grenzen der Integration in dem mir zur Heimat gewordenen Bundesland Sachsen-Anhalt aufzeigt.

Ich werde wohl immer ein Grüne-Soße-Esser bleiben. Ich werde das Lebensgefühl Wurstspirelli nie mit meinen Freunden teilen können. In der Mensa bleibe ich Außenseiter.

Daher habe ich die Idee Ländertage einzuführen. Sollte nicht jedem ermöglicht werden zumindest an einem Tag in der Woche für 1,40 ein Mittagessen mit Heimatgefühl zu sich zu nehmen.

So behält die Wurst mit ihren Spirelli ihre Berechtigung ohne der Grünen Soße das Daseinsrecht streitig zu machen.

Globalisierung in klein oder ein Schritt in der Völkerverständigung.

Tags: , , ,

Ein Vermerk zu “Integration in der Mensa”

  1. nicht Jürgen vermerkt:

    Ländertage? Also Bundesländertage? Dann also der 1,40-Saumagen, dem Lieblingsgericht unseres wir-haben-im-Westen-auch-keine-Demokratie-Kanzler Kohl? Hm… Lecker!

Bitte Kommentar anlegen!