Karaoke im öffentlichen Nahverkehr

Dienstag, 16.06.2009  –  Kategorie: Allgemein, Labor
Autor: Prüfstellenleitung

Ich saß gerade mit meinem miesepetrigen Berliner Nahverkehrsgesicht in der S-Bahn als plötzlich mein Gegenüber mit schreckverzerrter Visage an mir vorbei aus dem Fenster starrt. Der Grund war schon zu hören, bevor sich die Türen öffneten und eine Gruppe von (gefühlt) 90 Kindergartenkindern in den Wagon strömte. Nachdem sie den Inhalt ihrer Brotdosen getauscht haben (Käse steht höher im Kurs als Salami), fragt plötzlich ein gealterter Rocker welche Lieder sie könnten. Wie eine Druckwelle durchzuckt die böse Vorahnung sämtliche Insassen und auch die Betreuerin fragt suggestiv ihren krümelnden Mob: “Nein, wir wollen jetzt nicht singen, oder?!”. “DOOOOCCCHHH!!!”

Das erste Mädchen rudert mit den Armen und wir hoffen noch auf eine stumme Eurythmie-Einlage als sich plötzlich die ganze Horde anschließt. “SCHWAPP SCHWAPP SCHWAPP, DABIDUBA; SCHWAPP SCHWAPP SCHWAPP, DABIDUBA – FÜNF KLEINE FISCHE DIE SCHWAMMEN IM MEER!!!…”

Hier eine Hörprobe von 5 bis 4 - 10 kleine Fische.

Die restlichen Insassen (mich eingeschlossen) wissen noch nicht so ganz wie sie reagieren sollen, während die wild mit Butterbroten rudernden Gnome sie mit Krümeln übersähen. Allmählich verziehen sich aber die Gesichter des Publikums zu ungewohnten Grimassen, wie man sie wohl noch nie zuvor in der Berliner Ringbahn gesehen hat. Ja sogar der zuvor bemüht coole Rockabily mir gegenüber grinst von einer Kotlette zur anderen. Als ich dann noch, mir beim Aussteigen Brotkrumen aus den Haaren puhlend, in der Scheibe des Wärterhäuschens mein eigenes fröhlich verzerrtes Gesicht sehe, bringt mich das auf eine Idee.

NAHVERKEHRSKARAOKE!

Anstatt mich vom Berliner Fenster über Gewichtsprobleme neurotischer Showbizz-Teenies informieren zu lassen, könnte doch auch einfach Karaokesoftware laufen – mit so richtigen “badtaste” - Schinken, die einfach jeder kennt… Keine Angst – ich will keine Nana Mouscouri nach dem Frühstück und auch keine Gesangsbuchtexte sonntags kurz vor zehn. Aber am Samstagabend ist sowieso nur Rabatz in der Bahn -  dann doch lieber gemeinsam Klassiker singen, als blechernde RnB-schnulzen von verzweifelt zum Polyphon-Status aufbegehrenden Handys zu hören.

Gemeinsam singen entspannt und ist gesund und dämmt damit sogar noch Vandalismus ein - wir könnten also endlich mal wieder aus dem Fenster gucken, anstatt ständig das milchglasige Brandenburger-Tor-Muster anstarren zu müssen…

Ein Model das Schule machen sollte?

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2 Vermerke zu “Karaoke im öffentlichen Nahverkehr”

  1. nines vermerkt:

    love it…:D

  2. partikelfernsteuerung vermerkt:

    Yeah! Dann können die Fahrkartenkontrolleure auch noch gleich die GEMA-Gebühren einsacken - denn schließlich dürfte Singen in der U-Bahn ein öffentlicher Vortrag sein..

    So schön ÖPNV-Karaoke auch wäre: Ich wette, dass eine andere verhaltensauffällige Gruppe den Spaß zu weit treiben dürfte: Kegelklubdamen auf Prosecco.

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