Wenn “nützlich” ein Farbe hätte, wäre es gelb, schwarz oder grün?

Freitag, 12.06.2009  –  Kategorie: Allgemein, Stichprobe
Autor: Prüfstellenleitung

“So what are we waiting for?” fragt mich die Sprecherin von Yann Arthus-Bertrands aktuellen Film HOME nach knapp 90 Minuten beeindruckender Luftaufnahmen unserer Erde. Gute Frage, zuerst einmal auf was Neues, denn eigentlich wurden bisher nur sämtliche Schlagwörter von Permafrost bis Bodenerosion abgeritten, die man in sachlicheren und reflektierteren Dokumentationen schon lange vorher abgehandelt hat. Immerhin eine gute Übersicht könnte man einwenden, doch auch hier wird sich zu sehr pathetischer Floskeln und Clischés bedient, als das man sich auf die schlüssige Darstellung komplexer Zusammenhänge hätte konzentrieren können. Auf den Verstand zielt HOME aber vermutlich nur sekundär ab. In erster Linie scheint der Film mit seinen eindrucksvollen Bildern, der mystischen, von Gaya beseelten Sprecherin und dem Standardsountrack zum Epochalwerk aufbegehrender Filme an unser Gefühl zu apellieren. Fraglich bleibt, inwiefern das mit Luftaufnahmen, die Menschen zu Ameisen abstrahieren und katastrophale Umweltzerstörung in faszinierende Muster verwandeln, funktioniert.

Sehenswert ist der Film dennoch allein schon seiner Bilder wegen, für die Text und Inhalt offenbar im Anschluss gefunden werden mussten. Wohlwollend interpretiert, fordert der Film mit seiner Ästhetisierung der Natur aber auch des zerstörerischen Menschen, als sein eigenes Opfer (was wir mit einem krisenbedingten Fatalismus ohnehin schon romantisieren) zur kritischen Differenzierung auf.

Gut, dass uns endlich mal wieder jemand die großen Zusammenhänge erklärt. So, what are we waiting for? Hat uns die global warming-Welle (mit all ihren Folgen) schon längst überrollt, uns zu Aktivisten mit fragwürdiger Moral, schicksalsergebenen Zynikern oder gar Skeptikern gemacht?

Was soll ich denn schon ändern? Vielleicht sich von der Masse abheben und zumindest schon mal im Kleinen mitdenken, vor der eigenen Haustür. Ist die Vernichtung von Realkapital in Form der Abwrackprämie sinnvoll oder ein Verbrechen? Brauchen wir Umweltzonen oder wär mit bedarfsorientierter Ampeltaktung und mehr Kreisverkehren nicht viel mehr getan? Und wer hat überhaupt den Laubbläser erfunden?

Alles, jeder Stift den ich besitze, muss aufbewahrt, (beim Umzug) transportiert, bewacht, in Stand gehalten, versichert… werden. Wenn wir gründlich ausmisten und nur noch anschaffen, was uns durch nachhaltigen Nutzen überzeugt, vereinfachen wir nich nur unser Leben, sondern leisten auch einen ersten Beitrag, jenseits ideologischer Grabenkämpfe und Lobbyarbeit.

Das Wort zum Freitag.

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2 Vermerke zu “Wenn “nützlich” ein Farbe hätte, wäre es gelb, schwarz oder grün?”

  1. nines vermerkt:

    Agreed. Very similar to the lines of Al Gore’s movie somehow.
    I always thought that his book The Earth from Above was impressive though.
    There’s this Swiss photographer, Georg Gerster, who uses a similar style (http://www.georggerster.com/site.asp?lid=3).
    Massive photographs on religious symbols/churches from above (’The past from above’)

  2. gecco vermerkt:

    Amen!

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