Umnutzung von Berlin Tempelhof
Montag, 13.07.2009 –
Kategorie: Allgemein, Stichprobe
Autor: Prüfstellenleitung
Sonntag ist der Tag der Ruhe und Besinnung. Zeit über die Welt zu sinnieren und sich mal den großen Dingen zu widmen…
“1, 2, 3 GEBT DIE WIESE FREI!”
…doch irgendwie lenken mich die Sprechchöre unter meinem Balkon ein wenig ab.
Seit Oktober vergangenen Jahres verzeichnet Flughafen Berlin Tempelhof allenfalls noch Pollenflug, ansonsten sind die Lichter aus. Der Unmut über den ungenutzten Freiraum mitten in der Stadt zeigte sich bereits wiederholt. Vorschläge und Ideen zur sinnvollen Nutzung sind seitdem allgegenwärtig. Gerade wer in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt, verfolgt diese natürlich aufmerksam.
Als ich am Freitagabend vom endgültigen Sieg der Bombodrom-Gegner hörte (GLÜCKWUNSCH!), wich meine Freude schnell einer bösen Vorahnung als eine rote Feuerbrunst über das Dach des Nachbarhauses auf meinen Balkon zuraste und wenig später ohrenbetäubendes Donnergrollen die Fenster aufdrückte. Sollte das die geforderte Lastenverteilung sein? Tempelhof als Bombenabwurfplatz? Halten die Fenster und wie bruchsicher ist cp08?
Zig Fragen - eine Antwort: Pyromusikale

Kurz nach der Bread & Butter beherbergt der Pensionär unter den Berliner Flughäfen das “weltgrößte Festival der Musik-Feuerwerke”. Drei Tage lang brennt der Himmel über dem 386h großen Areal, doch was kommt danach? Mit lummerländischen Ideen, wie Schrebergärten auf cherosinverseuchtem Boden wollen wir uns nicht begnügen. Wir haben daher den Expertenrat unserer StudiVZ-Gruppe Prüfstelle Nützlichkeit einberufen. Durch Störung eines Vattenfall-Lobbyisten, der den Bau eines neuen Atommeilers empfahl, war das Urteil nicht einstimmig, aber überaschend deutlich: Tempelhof soll der öffentlichen Naherholung zugeführt werden. Weitere Vorschläge zur konkreten Umsetzung willkommen…
Der Nutzbarmachung innerstädtischen Leerstands widmet sich in Berlin u.a. die Zwischennutzungsagentur auf deren Engagement an dieser Stelle anerkennend hingewiesen sei. Sie haben zur Zeit einen Praktikumsplatz zu vergeben, wer in den Semesterferien also Neukölln aufpolieren will, investiert seine Zeit hier vermutlich sehr sinnvoll. Wem Berlin zu weit weg ist, findet vielleicht hier eine Alternative ungenutzten Raum und kreative Ideen zusammenzubringen. Die Übergangslösung zum Konzept zu erklären ist auch das Markenzeichen der Berliner Agentur Plattform Organisation Platoon. Mit ihren Bürocontainern sitzen sie derzeit in der Alten Schönhauser Straße.
PS: Lichtbilddokumentation Zaungast
[Prüfstelle Nützlichkeit verlost eine Flasche Wein unter jenen, die die richtige Zahl des Wortes Container im Container-Video wissen]
Zusatzvermerk 090713: Noch drei Tage lang kann zum derzeitigen Flächennutzungplan von Tempelhof Stellung genommen werden.
Tags: Stadtplanung, Unterhaltung
2 Vermerke zu “Umnutzung von Berlin Tempelhof”
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Juli 13th, 2009 at 02:51
Ach ja, Pyromusikale. Noch am anderen Ende der Stadt war es so laut, dass ich mich frage, wie vor Ort die Verbindung zur Musik geschaffen wurde. Wirklich sehenswert ist hingegen die Website der Veranstaltung. Da Pyrotechnik ja schon im 12. Jahrhundert entstand, hat man keine Kosten und Mühen gescheut, einen Webdesigner zu finden, der ebenfalls ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Da kriegt man “Ahh und Ohhh”, ganz ohne am Zaun stehen zu müssen.
Und: Noch ein feiner Containerlink - das Hafenbuch Hamburg kommt im Containerformat. Und fällt damit im Regal völlig aus dem Rahmen. Das wäre nach dem Küchenregal übrigens auch mal ein zu standardisierender Ort, versauen Formatunterschiede doch zu oft die ausgeklügelte thematische Sortierung.
Juli 13th, 2009 at 11:36
Der Musik konnte man auf der Pyromusikale auf diversen Arten lauschen:
Einmal, indem man sich ganz nah an die Abschussanlage der Pyromanenbegutachter wagte. Zumindest konnte man klassische Musik erahnen. Warum auch immer Feuerwerk mit Klassik verbunden wird…
Zweitens durch die übliche Präsentation von Popmusik per Mobiltelefon-LoFi-Anlagen. Warum auch immer Bass-lastige Musik übersteuert ausgegeben wird…
Drittens durch das Autoradio. Mehr oder minder erstaunlich: Klassische Musik. Warum auch immer…
Viertens - und so erging es wohl vielen - als eine Aufführung mit Musique concrète: kaWUMMMMM und BritzZZZZZZzzlBritzZZZZZZzl.