Krisensicher Kochen
Mittwoch, 23.09.2009 –
Kategorie: Allgemein, Stichprobe
Autor: Prüfstellenleitung
Es werden Jahre werden, wo gespart werden muss und manches Liebgewonnene auf den Prüfstand muss.
Wenn der Wirtschaftsminitster trotz allseits plakativer plakatierter Zuversicht solche Worte finden muss, können wir uns schon einmal warm anziehen - zum Beispiel um das Dauergemüse aus dem Keller zu holen. Wer nicht gleich auf die FdH-Diät umstellen will, wird sich am Herd fortan in Bescheidenheit üben müssen. Hier schlägt die große Stunde für zwei Bevölkerungsgruppen mit besonderem Fachwissen - Großmütter und Studenten. Letztere kennen naturgemäß oder dank Starbucks das Einkaufen mit dem Taschenrechner und Fokus auf Grundnahrungsmittel. Ältere Semester, wie Carla Cannucciari (94), können darüber hinaus aus diesen auch noch essbare, gar wohlschmeckende Mahlzeiten zubereiten.
In prophetischer Weitsicht lehrt sie daher via You Tube ihre stetig wachsende Anhängerschaft im Depression Cooking. Neben zahlreichen Anekdoten erklärt die Italo-Amerikanerin Rezepte aus ihrer Jugendzeit während der Great Depression. Nicht so funky wie die Konkurrenz, aber sympathisch und so einfach, dass ich es auch einmal probieren wollte.
Nach einer schmachvollen Wettniederlage ein Fünf-Gänge-Menü schuldig, sollten wenigstens die Speisen bodenständig sein.
Den Anfang macht daher eine vereinfachte Berliner Kartoffelsuppe. Anleitung hierzu gibt es auch bei Mc K.rotte.
Es folgt ein grüner Salat aus dem Kräuter-/Gemüsegarten der Prüfstelle (Blumenkasten Ostbalkon) mit Ziegenkäse.
Der Hauptgang ist eine Abwandlung von Carlas Pasta with Peas an Neuköllner Hunderücken (derzeit noch Hähnchen, aber im Krisenfall sind die Vierbeiner die sicherste Proteinquelle in der Gegend). Wer hier zu früh Carlas Tipp die Restwärme zu nutzen folgt, isst ab diesem Gang allein weiter - mein Physik(un-)wissen über den Zusammenhang von Reaktionsgeschwindigkeit und -temperatur hatte mich dazu verleitet die Pasta geduldig in lauwarmen Wasser aufzuweichen… Bei Experimenten dieser Art sind Reserven Gold wert - wir wollen schließlich für die Krise üben, nicht uns selbst geißeln.
Joghurt und eine Hand voll roter Johannesbeeren, die bei der Odertal-Gartenanlage (warum auch immer dieser Name - direkt am Flughafen Tempelhof und kilometerweit von Wasser entfernt) über den Zaun hingen. Zum Abschluss und heimlich als fünften Gang verbucht, gab es noch Absinth - eine Erinnerung an die guten alten Zeiten, damals wo die Krise noch Aufschwung hieß.
Bei fünf Gängen und doch einigen erleseneren Zutaten war das zwar noch kein waschechtes Krisenmenü, aber man muss die Leute ja langsam an Entbehrungen gewöhnen. Sobald es ernst wird, ist man mit Carla oder einschlägiger Literatur aber sicher gut gerüstet.
Was ist Euer Krisengericht?
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